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Die introvertierte Maria (Alexandra Borbély) und ihr neuer Kollege Endre (Géza Morcsányi) stellen durch einen Zufall fest, dass sie Nacht für Nacht denselben Traum teilen. Verwirrt und erstaunt über diese intime Verbindung suchen die beiden zaghaft auch tagsüber die Nähe des anderen.

Der Berlinale-Gewinner erzählt die außergewöhnliche Liebesgeschichte zweier verletzter Seelen in einer kunstvollen Bildsprache und mit einem feinsinnig-lakonischen Humor. Die beiden Hauptdarsteller beeindrucken mit ihrem zarten und zugleich intensiven Spiel.

KÖRPER UND SEELE ist ein magisches Arthouse-Highlight, das nicht nur die Berlinale-Jury überzeugte, sondern auch zum Publikumsliebling des Festivals avancierte. Der Film wurde auf der diesjährigen Berlinale zudem mit dem Fipresci-Preis des Internationalen Verbandes der Filmkritik und dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.


CONDITIO HUMANA

In all meinen Projekten kommt die Geschichte als allerletztes. Dieser Film begann, wie alle meine anderen Filme, mit dem Wunsch, meine Sicht auf die conditio humana, die menschliche Natur und die Bedingungen des Menschseins zu teilen, auf die Art und Weise, wie wir unser Leben leben. Außerdem wollte ich von Anfang an eine überwältigende, leidenschaftliche Liebesgeschichte erzählen – auf so wenig überwältigende und leidenschaftliche Weise wie möglich.

Ich lese viele Gedichte, das ist mein Refugium, und der wahre Ausgangspunkt war ein Gedicht der ungarischen Dichterin Ágnes Nemes Nagy. Diese vier Zeilen dienten als Motto für das Drehbuch:

The heart, a sputtering flame to light,
the heart, in mighty clouds of snow,
and yet inside, while flakes sear in their flight,
like endless flames of a burning city glow.


Ich bin ein eher zurückgezogener Mensch, und deshalb weiß ich, was sich unter einer ruhigen, grauen Oberfläche verbergen kann. Wie viel Schmerz, Verlangen oder Leidenschaft – der Heroismus des Alltags. Wenn ich die Straße entlanggehe und in die Gesichter der Menschen sehe, weiß ich immer: Selbst hinter dem langweiligsten, einfältigsten, plumpsten Gesicht kann sich Erstaunliches verbergen. Deshalb wollte ich irgendwie dieses Gefühl vermitteln: nichts an der Oberfläche, aber so viel im Inneren!

ANTRIEBE, SITUATIONEN UND FRAGEN

Die zentrale Idee für die Storyline kam in einem einzigen Moment: Wie wäre es, jemandem zu begegnen, der nachts dasselbe träumt wie man selbst? Wie würde man reagieren? Wäre man begeistert? Würde man Angst bekommen? Oder es lustig finden? Oder ziemlich aufdringlich? Oder vielleicht – romantisch? Situationen, die als Antriebe wirken, sind das Beste für einen Film. Situationen, die Fragen aufwerfen, auf die man unbedingt eine Antwort erhalten möchte, die dann wieder neue Fragen aufwirft. Wenn man den Schock erstmal überwunden hat, was würde man mit den neuen Erkenntnissen anfangen? Würde man sein Herz dieser anderen Person öffnen? Aber was, wenn man überhaupt kein romantischer Mensch ist? Wenn man bei jedem Gedanken an esoterischen Mist erschaudert? Wie wäre es für jemanden, der sich schwer tut, mit seinen Gefühlen umzugehen? Wie würde man dem Fremden begegnen, mit dem man in der Nacht zuvor zarte Träume geteilt hat? Würde man tagsüber dieselbe Nähe und Zuneigung herzustellen versuchen? Was wäre, wenn das überhaupt nicht funktionieren würde? Wenn man noch nicht mal die erste, missratene Verabredung halbwegs überstehen würde? Und die zweite Verabredung eine Katastrophe würde? Und die dritte besonders erbärmlich? Würde man dann aufgeben? Und wenn man aufgäbe, würde man das aushalten? Könnte man mit dem Wissen leben, dass die Person, die einem nachts ein Seelenverwandter ist, tagsüber fremd bleibt? Würde man da nicht einfach sterben? Diese Fragen führen uns durch den Film bis zum letzten Moment, denn selbst da gibt es noch eine Frage, auf die man wartet.

ALEXANDRA BORBÉLY ALS MARIA

In Ungarn haben viele Menschen, die sie aus dem Theater kennen, Alexandra Borbély im Film gar nicht erkannt. Die Reaktionen lauteten typischerweise: „Wer ist diese erstaunliche junge Schauspielerin? Die habe ich noch nie gesehen!“ Der Film zeigt die bemerkenswerte Bandbreite ihres Könnens. Im wahren Leben und den meisten ihrer Rollen ist Alexandra Borbély eine ausgelassene, extrovertierte, dynamische, heiße, erotische junge Frau. Ich weiß auch nicht, wieso ich dachte, dass sie die richtige sei – vielleicht weil ich großes Vertrauen in ihr Talent habe. Ich denke, sie ist nicht einfach nur eine sehr gute Schauspielerin, sondern sie ist eine der wenigen großen Schauspielerinnen. Sie musste tief in sich hineintauchen und diese Maria aus ihrem Inneren erschaffen. Es war für mich einzigartig zu sehen, wie sie arbeitet. Ich hatte in meiner Karriere immer wieder das Glück, mit großartigen Schauspielern arbeiten zu können (beispielsweise den beiden besten Tarkovskij-Schauspielern), aber Alexandra bei der Arbeit zuzusehen war etwas, das ich noch nie erlebt hatte. Dieser scheinbar einfache Film war der schwierigste, fragilste von allen. Jeder, der dabei war, vom Requisiteur bis zum Oberbeleuchter, musste sich in jeder Sekunde auf die innere Antriebskraft des Films konzentrieren. (Ich könnte hier davon berichten, wie wir die Salz- und Pfefferstreuer gecastet haben oder welch lustige Diskussionen wir darüber geführt haben, was Plastik, Metall und Holz jeweils repräsentieren etc.). Als Alexandra diese Maria in sich entdeckt hatte, konnte sie nichts mehr falsch machen. Ihre Rolle ist besonders anspruchsvoll, da sie in den schwierigsten, wichtigsten Szenen allein ist und keine Energie aus der Reaktion ihres Spielpartners ziehen kann. Marias Charakter durchläuft einen tiefen Wandel, eine Art emotionalen und sinnlichen Lernprozess.

Sie riskiert viel, als sie ihren sicheren Panzer verlässt und ins Leere tritt. Sie durchläuft diesen gefährlichen Prozess in scheinbar einfachen Handlungen: wenn sie Kartoffelpüree anfasst, Pornos anschaut etc. Es lag an Alexandras Leistung, dass sich diese einfachen Szenen gleichzeitig mit Spannung, Sinnlichkeit, Erotik und Humor aufluden. Ich bin ihr sehr dankbar und hoffe, dass dieser Film ein größeres Publikum auf ihr Talent aufmerksam macht.

GÉZA MORCSÁNYI ALS ENDRE

Unser Hauptdarsteller Géza Morcsányi ist in Ungarn sehr bekannt, allerdings nicht als Schauspieler. Er leitete zwanzig Jahre lang den wichtigsten Verlag und prägte so die ungarische Literaturszene entscheidend. Er nahm sich der Karrieren seiner Autoren mit großem Wissen, Geschmack, Feingefühl, Autorität und Sorgfalt an.

Er arbeitete mit einigen der Größten und sie wurden seine Freunde: Nobelpreisträger Imre Kertész, Péter Esterházy. Géza Morcsányi ist eine starke, charismatische Person, die viel mit unserer Figur Endre gemein hat: den Anstand, die Integrität, den trockenen Humor, die große Persönlichkeit. Er hat alles, was nötig ist, damit dieser alternde, gelähmte Mann, der sein Leben lang an einem derart unglamourösen Ort gearbeitet hat, zu unserem Helden werden kann.

Ich habe einmal die kluge Definition eines Hollywood-Produzenten gelesen, was einen Filmstar ausmacht: Stärke und Verletzlichkeit (denken Sie nur an Humphrey Bogart …). Géza hat beides.

Ich wollte eine große, leidenschaftliche Liebesgeschichte erzählen. Dafür braucht man Helden, denen man sich auf eine tiefe und komplexe Weise nahe fühlen kann. Unsere beiden Hauptdarsteller haben das mit radikal unterschiedlichen Mitteln erreicht, so wie sie ja auch radikal unterschiedliche Hintergründe haben. Doch sie haben ihre Aufgabe perfekt erfüllt, jedenfalls für mich.

Géza erinnerte mich vom Typ her an Clint Eastwood in GRAN TORINO: Ein Mann, der überzeugt war, dass er zu alt sei, dass er aus allem raus sei – und dann zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist, und das Leben eines jungen Mannes rettet. Auch unser Endre riskiert eine Menge, als er seine erbärmliche Komfortzone verlässt: einen endlosen Kreislauf aus Arbeitsplatz, Fast-Food-Restaurant und zwei Bieren vor dem Fernseher. Als er sich Maria öffnet, riskiert er, sich lächerlich zu machen und die letzten Reste seines Selbstwertgefühls zu zerstören.

Besetzung

 
Maria Alexandra Borbély
Endre Géza Morcsányi
Klára Réka Tenki
Jenő Zoltán Schneider
Sándor Ervin Nagy
Zsóka, die Putzfrau Itala Békés
Márias Therapeut Tamás Jordán
Jenős Frau Éva Bata
Detektiv Pál Mácsai
   

Stab

 
Regie & Drehbuch Ildikó Enyedi
Kamera Máté Herbai (H.S.C.)
Schnitt Károly Szalai (H.S.E.)
Musik Ádám Balázs
Sounddesign Péter Lukács
Production Design Imola Láng
Kostüm Judit Sinkovics
Produzenten Mónika Mécs,
András Muhi,
Ernő Mesterházy